Ein Glückwunsch aus Emmerich zum 110.Geburtstag (15.4.2002) von

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(15.4.1892 - 13.6.1967)


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Einer von Pater Gregors Aufmunterungssprüchen bei seiner Volkschoralarbeit war: "Volkschoral, wie muß er sein? - Kraftvoll wie der Niederrhein!" Pater Gregor gab das Lebenszeugnis eines kraftvollen und frohen Glaubens. Für mich ist er einer der Menschen, an denen man seinen eigenen Glauben festmachen kann.

Beide seiner Eltern waren Münsterländer, sein Heimatkloster Gerleve liegt im Münsterland, er selbst wählte das Münsterländische für seine plattdeutschen Lieder und Verse, aber er blieb mit dem Herzen immer auch seiner Heimatstadt Emmerich am Niederrhein verbunden. Er war mit Leib und Seele Benediktinermönch: noch im Alter konnte P.Gregor mit Rührung und überwältigender Freude vom gregorianischen Mönchsgesang erzählen, bei dem so viele Mönche sangen wie mit einer einzigen Stimme ohne daß sich auch nur einer eitel hervortat. Das war für ihn wie ein Aufbranden und Verebben menschlichen Betens zu Füßen Gottes.

Als einer von P.Gregors Großneffen möchte ich der Gemeinschaft von Gerleve ganz herzliche Glückwünsche senden. Er selbst würde sich auch nicht aus seiner Mönchsgemeinschaft "eitel hervortun" wollen, für seine Familie und seine geistliche Gemeinschaft ist der Anlaß aber sicher Grund zu Dankbarkeit und Freude, daß wir diesen großen Menschen unter uns haben durften.

Ein Echo auf seine Volkschoralarbeit findet sich bei W.Hönes im "Kalender für das Klever Land 1994": "P.Schwake (verhielt) sich im Kirchenraum völlig »unheilig«, d.h. normal..., was für uns kleine Meßdienerlein fast wie ein Schock, zumindest aber ungewöhnlich und daher diskutierenswert war... seine Methoden waren unorthodox, unkonventionell und deshalb so wirkungsvoll." Hönes bestätigt, daß P.Gregor "eine ganze Gemeinde eine Woche lang fesseln konnte und offensichtlich ein selbstständig denkender Kopf gewesen ist....Und froh gemacht hat er uns alle in dieser Woche."

1952 erschienen im Verlag Aschendorff in Münster "De ersten twintig" und später "De tweden twintig Schwake-Leeder", darunter "De Dissel"(A.Wibbelt/G.Schwake) und auch dieses: "Ne kleine Handvull Freide wull ick di maken met mien Leed. För mi is´t graute Freide wenn ick di alltied glücklick weet... Twee Augen könnt grienen so swaor is fak dat Krüs. De Krüswegg will upgaohn in´t Paradies." Der Name eines Schiffes, das P.Gregor in seiner Jugend oft an Emmerich vorbeifahren sah, regte ihn zu dem Dachaugedicht: "Fiat Voluntas" (Dein Wille geschehe) an: "...Heut´ fuhr das Schiff auf stiller Flut, und morgen kämpft´s mit schweren Wellen. Heut´ lag´s in heller Sonnenglut, dann Stürme rings und Donner gellen. Es sah in saftig grünes Land es kam an manchen öden Strand. Bis daß es macht´ die letzte Fahrt frohlockte es auf seine Art: Fiat Voluntas!"

Zur Erinnerung an einige Daten seines bewegten Lebens:

Am 15.4.1892 in Emmerich als Theodor Schwake geboren; 6.3.1911 Abitur; Ostern: Eintritt in die Benediktinerabtei Gerleve; 8.9.1912 Profeß mit dem Namen Gregor; philos. u. theol. Studien in Maria Laach u. Gerleve; 25.7.1917 Priesterweihe; ab1920 musikwissensch. Studium an der Universität Münster; 1923 Dissertation zur Geschichte des Orgelbaus; 3.1.1924 Promotion; ab1924 kirchenmusikalische Schulungs- u. Vortragsarbeit; ab1929 Volkswochen für Liturgie und Kirchenmusik ("Volks-Choral"); ab1932 in der Schweiz, ab1933 in Österreich. März 1935 Audienz bei Papst Pius XI. zum Stand der liturgischen Erneuerung; 1937/38 Volksliturgische Kurse in Jugoslawien; 13.7.1941 Vertreibung des Konvents von Gerleve; Musiklehrer in Frankfurt, weitere Choralkurse; 6.10.1943 Verhaftung während eines Choralkurses in Linz/OÖ; 2.1.1944 bis 10.4.1945 Schreckenszeit im KZ Dachau, dort schreibt er viele Gedichte, komponiert u.a. die "Dachau-Messe"; ab 29.8.1945 Seelsorge in der Pfarrei Ettenkirch/ Friedrichshafen; 2.5.1947 Umzug in die Erzabtei Beuron, ab Mai Wiederaufnahme des Choral-Apostolats; Sept.1948 Rückkehr in die Abtei Gerleve; Beginn der Theaterarbeit, Gründung der Sing- & Spielschar Gerleve; seit April 1949 Schaffen als Mundartdichter; am 13.6.1967, sechs Wochen vor seinem Goldenen Priesterjubiläum starb P.Dr. Gregor Schwake OSB. An Gedenken seien erwähnt: 1992: Herausgabe des Buches "Andere Menschen froh machen - Pater Gregor Schwake O.S.B." (Hildegard Pickers); 18.10.1997: Gedenkfeier und Aufführung der verschollen geglaubten "Dachau-Messe" in Ettenkirch; 18.01.1998: "Dachau-Messe" in Dachau-Hl.Kreuz ; 25.03.2000: "Dachau-Messe" in St.Aldegundis, Emmerich; 2.11.2002: "Dachau-Messe" in Dachau-Hl.Kreuz.

Nun steht im Jahre 2004 das 100-jährige Bestehen der Abtei St.Joseph-Gerleve bevor. Zum 25-jährigen verfaßte Pater Gregor die Festschrift. Ich bin sicher, daß er auch jetzt dem Jubiläum mit Freuden entgegensieht und Segen für seine Mönchsfamilie dazu erbittet sowie gerne wieder zum Jubilate persönlich beitragen würde, z.B. indem etwas aus seinem musikalischen oder literarischen Schaffen bei diesem Anlaß wieder erklingt. Er wird dabei sein im Sinne eines Briefes, den er am 8.10.1951 schreib: "Dem Leibe nach kann ich nicht bei Euch sein. Bin umso mehr bei Euch mit meiner Seele. Mich nennt man krank und andere nennt man tot. Ob nicht die lieben Unvergeßlichen, die uns am nächsten waren, von dort oben mit ganzer Seele und mit aller Liebe, mit großem Segen Euch zur Seite sind? Oh ja! Sie sind es. Und ein großer Kranz von teuren Seelen nimmt Euch in die Arme."

AKTUALISIERUNG:
-am 1.November 2004 erklingt die "DACHAU-MESSE" im Rahmen des Jubiläumsjahres um 10°°Uhr in der Abteikirche GERLEVE zum Gedenken an alle verstorbenen Mönche der Abtei.
-2005: in Raesfeld
-2006: in Münster (Clemenskirche)

-2012: am 25.Oktober, 19°°Uhr im Dom zu Xanten/Niederrhein

THEATERSTÜCK „Liudger“ 2009

Erlauben Sie mir zum Abschluß eine Bitte: helfen Sie mit bei der Sicherung und Verlebendigung von Quellenmaterial zu P.Gregors Leben und Werk. Mit evtl. Hinweisen darauf wenden Sie sich gerne an mich:

Ihr Dr.Johannes Pickers, Reeser Str.382, D-46446 Emmerich